Weihnachtsduft
by Sigrid Wohlgemuth
Copyright 2011 Sigrid Wohlgemuth
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Prolog
Es krachte. Anna erschrak. Ein Baum löste sich samt Wurzelballen aus der Böschung vom Abhang über der Straße. Sie riss das Lenkrad herum. Der Baum stürzte knapp hinter ihrem Wagen auf die Fahrbahn. Das Heck geriet dadurch ins Schleudern. Ihr Auto trudelte um die eigene Achse und rutschte den Berg hinab, an dem sich keine Leitplanke befand. Ein gellender Schrei entfuhr Anna. Mit einem Mal hörte sie nur noch das Schrappen der Scheibenwischer, stierte auf die rasche Bewegung. Das Atmen fiel ihr schwer, der Sicherheitsgurt umspannte straff den Körper. Annas Versuch sich zu rühren, scheiterte schmerzlich. Sie schloss die Augen. Nicht einschlafen! Ich muss wach bleiben, bis ich gefunden werde. Aber ich bin schrecklich müde und möchte schlafen. Es tut weh! Ich zähle! Doch als sie damit anfangen wollte, brachte sie die Lippen kaum auseinander. Sie schmeckte Blut. Helft mir!, rief sie und hatte das Gefühl, die Worte prallten an die Windschutzscheibe und schallten zu ihr zurück.
Sie werden mich bald finden. Ganz sicher! Der Regen hat nachgelassen. Nur eine Frage der Zeit, bis ein Auto vorbeikommt. Mit einem Ratschen verstummten die Scheibenwischer. Die Stille ist unerträglich!, dachte sie und spürte Tränen, die über ihre Wangen liefen. Geduld bewahren! Ich darf nicht in Panik ausbrechen! Anna atmete flach, um das Stechen in ihrem Leib gering zu halten.
„Verdammt!“, zischte sie zwischen den zusammengebissenen Zähnen.
Nachdem sie im Reisebüro die Tickets für einen Familienurlaub zu Weihnachten in Köln freudig entgegengenommen hatte, war sie vor der Tür von einem leichten Nieselregen überrascht worden. Bald darauf öffnete der Himmel über Kreta seine Pforten und es begann in Strömen zu gießen. Ein südöstlich starker Wind fegte, der Wagen schwankte auf der Rückfahrt von Sitia nach Tourloti, ihrem Heimatdorf. Obwohl sie den Scheibenwischer auf höchste Stufe gestellt hatte, war der Asphalt durch die beschlagene Windschutzscheibe vor ihren Augen nur verschwommen wahrzunehmen. Genau an dem Teilstück der engen Straße, das sich im Bau befand, wurde es schlimmer. Eine Möglichkeit anzuhalten war nicht gegeben, allenfalls mitten auf der Fahrbahn. Anna war sicher gewesen, die Hürde zu schaffen, denn ein Stück weiter hätte sie auf dem Standstreifen stoppen können, um das Unwetter abzuwarten.
Aus den Augenwinkeln hatte sie die Bäche gesehen, die von den Bergen stürzten und Gesteinsbrocken mit sich rissen. Im ersten Gang, mit dreißig Stundenkilometern, lenkte sie den Wagen am Bagger vorbei. Bloß nicht heftig abbremsen!, hatte sie sich ermahnt, denn gerade hier war es am gefährlichsten, auf der Straße lag ein Kieselsandgemisch. Trotzdem hatte es sie erwischt, als der Baum herunter gekracht war.
Anna wimmerte. Warum kam denn keiner, um sie zu retten?
Denk an etwas Schönes! Sie holte Bilder aus ihrer Jugendzeit hervor. Damals, als sie Studentin war und das erste Mal zum Urlaub auf der griechischen Insel weilte.
Ilias! Anna versuchte, den Mund zu einem Lächeln zu verziehen. Aber die kleinste Bewegung tat weh.
Was hat mich damals derart fasziniert, dass ich herzog? Diese Frage versetzte Anna sogleich in die Vergangenheit, spülte den Schmerz und ihre verzweifelte Lage fort.
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1. Kapitel
Anna blinzelte an einem späten Nachmittag in die Sonne. Sie setzte sich auf und strich den inzwischen getrockneten Sand von ihren Beinen. Danach hielt sie sich die Hand schützend über die Augen. Sie sah zu, wie der leichte Wind die Wellen ans Land trieb.
War es die Liebe zu Ilias, dem kretischen Bauern, die sie alles im rosaroten Licht sehen ließ? Wenn sie an Zuhause dachte, an Köln, die Stadt mit ihrem oft deprimierenden grauen Himmel, an den herrischen Vater, dem sie nie etwas gut genug machte, fröstelte sie. Anna sah, dass Ilias aus dem Wasser stieg. Er kam im Laufschritt auf sie zu, ließ sich neben ihr auf das Badetuch fallen und zog sie in die Arme.
„He!“, schrie Anna, „du machst mich wieder total nass!“ Sie stieß ihn in die Rippen. Ilias schüttelte sein Haar. Anna quiekte, als die Wassertropfen sie trafen. Er lachte und streckte sich aus, schlug die Füße übereinander, verschränkte die Arme unter seinem Nacken.
Kaum zu glauben - Anna ließ ihre Augen über Ilias’ Körper schweifen - dieser Mann möchte mit mir zusammenleben!
Im Schneidersitz schob sie sich neben ihn.
„Und, hattest du genug Zeit, um darüber nachzudenken?“ Ilias, stützte sich auf die Ellbogen und sah Anna liebevoll an.
„Worüber?“
„Anna, ich meine es ernst.“
„Ich soll zu dir nach Kreta kommen?“
„Liegt es an meinem Griechisch, dass du mich nicht verstehst?“
„Scherz nicht rum!“ Anna verzog den Mund zu einer Schnute.
„Nun gut. Du willst es nicht anders, aber beschwer dich später nicht, dass es kitschig ist.“ Er richtete sich auf. Anna bemerkte ein schelmisches Zucken um seine Mundwinkel. „Du bist die Frau meiner Träume! Wenn ich dich anschaue, mit deinen langen blonden Haaren und dem athletischen Köper, könnte ich vor Glück verrückt werden. Deine himmelblauen Augen ziehen mich magisch an, seit ich dich zum ersten Mal gesehen habe.“
Anna lachte verlegen, um nicht vor Rührung zu weinen und entgegnete schnippisch: „Ach, es geht dir nur um mein Aussehen?“
Ilias fasste nach ihrer Hand. „Lass mich ausreden! Ich bewundere deine Intelligenz, die Aufgeschlossenheit, dein Einfühlungsvermögen. Ich liebe dich, vertraue dir und will dich nicht mehr loslassen.“ Anna wollte ihm die Hand entziehen, doch Ilias verstärkte den Griff. „Wir kennen uns lang genug, um eine Entscheidung zu treffen. Seit zwei Jahren liegen dreitausend Kilometer zwischen uns. Das langt jetzt, Anna!“
„Es gibt viel zu bedenken“, warf sie ein.
„Und was?“
„Wo werden wir wohnen? Einen Job?“
„Ist dir das wichtig?“
„Ja.“
„Mein Einkommen wird für uns beide reichen. Und ich bin sicher, du wirst an der Schule arbeiten können mit deinem perfekten Griechisch und den vielen anderen Sprachen.“ Er wollte sie in seine Arme ziehen, doch Anna entschlüpfte ihm, rannte zum Meer.
Am Ufer entlang schlendernd, die Füße im kühlen Wasser, schaute sie auf die Wellen. Dann streiften ihre Augen die Landschaft. Umschlossen von hohen Bergen lag die Tholos Bucht, wenige Kilometer vom Dorf Kavousi entfernt. Gegen Süden breiteten sich Olivenhaine aus. Vom salzigen Sturm gebeugte Äste trugen kleine Früchte. Tamarisken standen am Strand und spendeten den überwiegend griechischen Badegästen Schatten. Um eine Süßwasserader herum schwirrten Hornissen. Ein holländisches Pärchen hatte seinen Wohnwagen im Schutz der Sträucher geparkt. Die Beiden saßen an einem Campingtisch beim Essen. Griechische Musik kam aus einem Holzhaus, einige Tische und Stühle standen davor. Der Besitzer der Taverne stellte gerade Erfrischungen auf ein Tablett. Eine Gruppe Einheimischer unterhielt sich Wasser tretend im Meer. Zwischendurch tauchten sie tiefer oder schwammen auf dem Rücken, ohne das Gespräch zu unterbrechen. Anna blickte auf die Weite des Meeres, bis hin zum Horizont.
Die Frau seiner Träume! Nein, ich zweifle nicht. Weder an Ilias’ Liebe noch daran, dass ich genau hier mein Leben führen will. Sie drehte sich zu dem Mann um, der fortan
alles mit ihr teilen wollte. Er winkte und sie schrie über die Brandung hinweg: „Ich will!“ Mit ausgebreiteten Armen lief sie auf ihn zu. Sie sah, wie er aufsprang und einen Freudentanz aufführte, dass der Sand hochspritzte. Ein unbeschreibliches Glückgefühl ergriff Besitz von jeder Faser ihres Seins.
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2. Kapitel
Agios Nikolaos, Frühjahr 1980
Langsam erwachte Thalia aus der Narkose. Sie schaute auf die Uhr, die im Aufwachraum an der sonst kahlen Wand hing. Dreizehn Uhr zehn. Eine Schwester saß am Schreibtisch, vertieft in eine Krankenakte. Zeit, dass ich nach Hause komme, dachte Thalia. Vorsichtig erhob sie sich, ein leichter Schwindel drückte sie zurück ins Kissen. Bei einem weiteren Versuch stützte sie sich auf die Ellbogen. Mit Schwung flog die Tür auf und der Arzt eilte herein. Sogleich erhob sich die Schwester und stellte sich ans Bettende. Der Gynäkologe zog sich einen Stuhl heran. Seine Augen ruhten auf Thalia.
„Wie fühlen Sie sich?“, fragte er.
„Ein wenig schummrig.“
„Das kommt von der Betäubung.“
Thalia nickte.
„Haben Sie Schmerzen?“
„Nein.“
„Der Eingriff ist ohne Komplikationen verlaufen. Sie werden in den nächsten Tagen Schmierblutungen haben. Sollten sie verstärkt auftreten, dann kommen Sie bitte zur Untersuchung. Ansonsten erst in zehn Tagen zur Kontrolle.“
Sie nickte ein weiteres Mal.
„Thalia, ich möchte Ihnen vorschlagen, die Pille zu nehmen.“
Sie schaute auf.
„Das war Ihre zweite Abtreibung innerhalb von achtzehn Monaten. Sie sind neunzehn Jahre alt. Auch in den ersten Schwangerschaftswochen ist jeder Eingriff eine Belastung und eine hormonelle Umstellung für den Körper. Haben Sie die Pille schon einmal ausprobiert?“
„Nein. Ich habe meinen Zyklus immer nachgerechnet und war mir sicher.“
„Ich werde Ihnen eine aufschreiben. Wenn sich Ihre Periode wieder eingestellt hat, beginnen Sie bitte damit.“ Während er ihr das Rezept ausstellte, versuchte Thalia aufzustehen. Ein stechender Schmerz schoss durch ihren Unterleib. Sie seufzte auf.
„Haben Sie jemanden, der Sie nach Hause bringt?“
„Nein, ich fahre mit dem Bus. Niemand weiß ...“
„Schonen Sie sich einige Tage, und keine schwere Last in den nächsten sechs Wochen. Wir sehen uns.“ Zum Abschied reichte er ihr die Hand.
Vor dem Krankenhaus stieg Thalia in ein Taxi und ließ sich zur Bushaltestelle bringen, die sich in der Innenstadt befand. Im Bus zog sie das Pillenrezept aus der Handtasche, zeriss es in kleine Fetzen und steckte es in den Aschenbecher, der an der Rückenlehne des Vordersitzes befestigt war. Künstliche Hormone nehme ich nicht, nachher bekomme ich nie ein Baby, dachte sie, legte den Kopf an die Scheibe und dämmerte vor sich hin, bis der Bus in Tourloti, ihrem Dorf, anhielt.
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Sommer 1982
Thalia stand in der Küche und bereitete das Mittagessen vor, als Emmanuel sich hinter sie schlich. Er schlang die Arme um ihre Taille. „Wie geht es meiner bezaubernden Frau?“ Zärtlich küsste er ihren Nacken. „Sie ist glücklich, ihren Ehemann zu sehen.“
„Wenn uns einer zuhörte, dächte er, wir wären einem anderen Jahrhundert entsprungen, so förmlich reden wir miteinander.“ Er lachte.
„Nun, wir sind erst zwei Wochen verheiratet, sozusagen in den Flitterwochen!“ Sie schmiegte sich eng an ihn. Sogleich zog er sie mit sich ins Schlafzimmer. Endlich habe ich den Mann fürs Leben gefunden! Und den Vater für meine Kinder. Jetzt brauche ich weder meinen Zyklus nachzurechnen, noch die Pille zu schlucken. Emmanuel schob sie sanft aufs Bett, öffnete ihr Bluse, und Thalia gab sich seinen Liebkosungen hin.
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3. Kapitel
Anna schnürte den Rucksack zu. Sie schwang ihn auf die Schulter, ergriff die beiden Koffer. Dann schaute sie sich ein letztes Mal um. Mit energischen Schritten lief sie die Treppe abwärts. Vor dem Haus wartete bereits das bestellte Taxi. Der Fahrer verstaute das Gepäck und hielt ihr die Beifahrertür auf.
„Jetzt kann‘s losgehen“, sagte Anna und zwinkerte ihm zu. Sie bemerkte, dass sich die Wangen des älteren Fahrers leicht röteten.
„Auf zum Kölner Flughafen.“
„Wohin soll die Reise gehen, junges Fräulein?“ Er startete den Wagen. Sie beugte sich nach vorn und blickte in den Seitenspiegel. Das Haus, in dem sie wohnte, verschwand in der Morgendämmerung. Schnell wandte sie sich ab, lehnte sich entspannt in den Sitz. „Ich wandere aus!“ In ihrer Stimme schwang ein Jauchzen mit. Abrupt stieg der Fahrer an der roten Ampel auf die Bremse, der Wagen ruckte. Erstaunt sah er sie an.
„Sie wandern aus?“
„Ja! Auf die Insel Kreta!“
„Aber ...“
„Ich bin seit zwei Jahren mit einem Griechen zusammen. Und ich liebe die Landschaft“, setzte sie schnell hinzu.
„Und jetzt reißen Sie mir nichts, dir nichts Ihre Brücken in Deutschland ab?“
Die Ampel wechselte auf Grün.
„Nun, ich hab‘s mir lange überlegt. Um Land und Leute besser kennen zu lernen, habe ich meine Semesterferien dort verbracht. Mein Studium ist jetzt beendet, und das Wetter ist bestimmt besser als hier.“ Sie deutete mit der Hand aus dem Fenster. Der Himmel hing voller Regenwolken. Die Temperaturen waren in den letzten Tagen ernorm gefallen.
„Da könnten Sie Recht haben, junge Frau.“ Der Taxilenker schob die Kappe hoch und kratzte sich am Kopf. „Haben Sie keine Eltern, Geschwister?“
„Doch. Warum fragen Sie?“
„Wollte Sie niemand verabschieden oder zum Flughafen bringen? Oder lebt Ihre Familie weiter entfernt?“
Für einen kurzen Moment wurde es still im Auto.
„Entschuldigen Sie bitte meine Neugier. Ich habe selbst eine Tochter in Ihrem Alter, und wenn ich mir vorstelle, sie würde auswandern ...“
„Meine Familie ist mit meinem Entschluss nicht gerade einverstanden, ganz besonders mein Vater lehnt sich dagegen auf“, unterbrach sie ihn, „und um es uns nicht noch schwerer zu machen, haben wir uns gestern Abend voneinander verabschiedet“, setzte sie leise hinzu und wunderte sich selbst über ihre Aufgeschlossenheit. Wieder sah sie aus dem Fenster. Der Wagen zog an denen seit ihrer Kindheit vertrauten Häusern vorbei. Die Vorgärten waren gepflegt, obwohl der Herbst eingekehrt war und die Blätter von den Bäumen wirbelten. Unbehagen machte sich in ihr breit. War es die Frage des Fahrers? Werde ich meine Eltern, den Bruder, die jüngere Schwester und Köln vermissen?
„Du gibst alles auf für eine jugendliche Verliebtheit! Ich hoffte, aus dir würde etwas Besseres werden als eine Bauersfrau“, hörte sie den Vater.
„Ihr wusstet, dass ich Sprachen studiert habe, damit ich im Ausland beruflich Fuß fassen kann.“
„Beruflich? Was willst du denn mit deinem Studium im Dorf anfangen? Den griechischen Ziegen Italienisch beibringen?“
Hatte er Recht? Heftig schüttelte sie den Kopf, versuchte damit die Gedanken zu vertreiben. Was ist, wenn die Liebe zu Ilias ... Hör auf!, rief sie sich zur Ordnung. Lass dich nicht verunsichern, du hast den Entschluss gefasst, nun setz ihn um!
„Sagen Sie mal, wovon wollen Sie denn leben?“, fragte der Fahrer und konzentrierte sich dabei auf den stockenden Verkehr, der auf dem Zubringer herrschte.
„Äh, ja ... Olivenernte, Gemüseanbau, Schaf- und Ziegenzucht. Ich werde Unterricht in Sprachen geben!“ Das Letztere brachte sie wieder überzeugend hervor.
Der Mann schüttelte den Kopf und Anna merkte an der Reaktion, dass er ihr nicht recht glaubte. Den Rest der Fahrt verbrachten sie schweigend. Sie bogen auf die Autobahn Richtung Flughafen. Die graue Landschaft zog an ihr vorbei. Die Bäume waren fast kahl und die dünnen Äste bewegten sich im Wind, als würden sie ihr zum Abschied zuwinken.
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4. Kapitel
Ilias Manusakis lebte seit seiner Geburt im Bergdorf Tourloti auf der Insel Kreta. Sein muskulöser Körper passte zum Broterwerb als Bauer und Hirte. Die schwarzen, dichten Haare reichten ihm bis zu den Schultern, die dunkelgrünen Augen erinnerten an die Farbe von Olivenblättern. Mit seinen Eltern Sofia und Lambros und der zwölf Jahre jüngeren Schwester Anthi wohnte er unter einem Dach.
„Eine Deutsche bringst du ins Haus!“, schimpfte der Vater und hob drohend den Hirtenstock. „Weißt du nicht, was die uns im Krieg angetan haben?“
„Bitte Vater, wir leben in den Achtzigern. Du liegst mir ständig in den Ohren, mich mit meinen fünfunddreißig Jahren nach einer Frau umzuschauen. Nun bin ich glücklich verliebt. Anna“, er schaute auf die Uhr, „sitzt jetzt im Bus und ist auf dem Weg hierher. Wir diskutieren seit Wochen darüber. Wegen der Nachbarn wolltet ihr nicht, dass ich ausziehe. Also bitte, lass uns damit aufhören!“
„Sie ist elf Jahre jünger als du! Dazu zierlich und hübsch, die wird sich nicht lange mit einem Bauern abgeben wollen. Wenn sie erst mal ...“ Lambros verband seine Aussage mit einer abschätzigen Handbewegung.
„Vater!“, rief Ilias und drehte sich zur Mutter um. „Hat sie einen solchen Eindruck bei euch hinterlassen? Ihr habt Anna kennengelernt, als sie ihre Semesterferien bei uns verbrachte.“
„Nun, da hat sie nicht in unserem Haus gewohnt!“, sagte Sofia leise und zupfte ihr schwarzes Kopftuch zurecht. Sie setzte sich neben ihren Mann auf die Holzbank. Stille breitete sich im großen Raum aus. Die handgeschnitzte Bank, von der aus seine Eltern ihn ernst ansahen, war mit den aufwendigen Verzierungen das Schmuckstück des Zimmers. Davor stand ein Eichentisch mit sechs Stühlen. Schräg in der Ecke prunkte ein antiker Schrank, dessen Glasscheiben mit gestickten Gardinchen geschmückt waren. Ein bunter Teppich bedeckte den Betonboden. Sofia senkte den Blick vor dem Groll in den Augen ihres Sohnes, bückte sich nach einem Faden, ging zum offenen Kamin und warf ihn in die Feuerstelle. Auf einem Holzregal daneben gab es unzählige Bilderrahmen mit Familienfotos zu sehen.
Gegenüber war eine Küchenzeile eingebaut, in der Sofia sich jetzt zu schaffen machte. Obenauf stand ein Gaskocher mit drei Feuerstellen. In einer Pfanne brutzelte ein Stück Lamm in Tomatensoße, im Kochtopf daneben garten frischer Brokkoli mit Kartoffeln aus dem Garten. Der appetitliche Duft konnte die Spannung, die in der Luft lag, nicht mildern. Anthi kam herein, legte Zitronen neben das Kochgeschirr. Danach vergrub sie die Hände in den Taschen der karierten Schürze und meinte: „Nun gebt Anna wenigstens eine Chance. Mein Bruder ist glücklich, ich freue mich für ihn.“ Der Vater hob die Augenbrauen, gab ihr damit zu verstehen, sich herauszuhalten.
„Was tut mein eigener Sohn mir bloß an“, seufzte er laut. „Eine Ausländerin! Die kommen her, um Urlaub zu machen und liegen den ganzen Tag faul in der Sonne herum. Zum Zeitvertreib verdrehen sie abends in den Tavernen unseren Männern den Kopf. Und du willst mir erzählen, dass dieses Mädchen auf den Feldern mit anfassen wird? Pah!“ Wütend schlug er mit der Faust auf den Tisch. Ein schmales Tablett geriet ins Wanken, auf dem Schnapsgläser und eine kleine Karaffe Raki standen. Ein Granatapfel auf dem Obstteller machte sich selbstständig und rollte über die Tischplatte. Im letzten Moment konnte Ilias ihn vor dem Hinunterfallen abfangen.
„Sie heißt Anna, Vater!“, sagte er schneidend. „Ich geh jetzt zur Bushaltestelle.“ Dann stand er auf. Ohne ein Abschiedswort verließ er den Raum. Er hörte den Vater knurren und wusste, was in ihm vorging.
„Neue Sitten, das fängt ja gut an“, schrie Lambros zum Fenster hinaus. Ilias drehte sich nicht um.
Wie kann man mit zweiundsechzig so verbohrt sein! Ilias stieg die Stufen zur Dorfstraße hinunter. Die Familie besaß ein Auto, das nur für die Feldarbeit im nahen Umkreis zugelassen war. Der Flughafen in Heraklion lag einhundertzwanzig Kilometer entfernt, Ilias konnte Anna daher nicht abholen. Seine Schritte führten ihn an Onkel
Manolis’ Taverne vorbei, die bis auf den letzten Platz besetzt war. Er grüßte freundlich, blieb stehen und wechselte ein paar Worte. Das Klacken der komboloi, die traditionelle Perlenschnur der griechischen Männer, war zu hören. Sachte glitten die Holzperlen eine nach der anderen durch deren Finger. Ilias sah auf die Uhr. Noch gut zwanzig Minuten bis zu Annas Ankunft. Er spürte sogleich ein Kribbeln in der Bauchgegend. Freundlich nickte er dem Krämerladenbesitzer zu, der neben seiner Frau vor dem Geschäft stand. Habe ich mich in der Uhrzeit vertan? Wieso ist der Laden jetzt noch geöffnet? Als er zum Ortseingang kam, bemerkte er, dass auch die Taverne vom alten Dimitri gut besucht war. Nebenan stand der Bäcker mit seinen Angestellten am Fenster der Backstube. Ilias grüßte und ging weiter zur Busstation. Vor dem Wartehäuschen spazierte er hin und her. Immer wieder mal sah er an sich herab, um zu überprüfen, ob seine Kleidung keinen Fleck aufwies.
„Ilias“, hörte er jemanden seinen Namen rufen und drehte sich um. Der Automechaniker winkte ihm mit ölverschmierten Händen zu. Seine Ehefrau und seine drei Töchter standen in der Werkseinfahrt im Kreis und diskutierten laut. Ilias sah zum Himmel. Was für ein herrliches Wetter! Der strömende Regen der letzten Tage hatte aufgehört, die Sonne strahlte hell und warm am blauen Himmel. Ein leichter Wind trocknete die Blätter der Bäume.
Er schaute auf den Olivenhain, der das Dorf zur Hauptstraße abgrenzte. Der Niederschlag hat gut getan! Zeit, dass die Ernte anfängt. Er rieb sich die Hände.
„Ilias, der Bus kommt“, schrie der Automechaniker zu ihm herüber und gestikulierte aufgeregt. Nervös fuhr Ilias sich durchs Haar. Mit einem Mal begriff er, warum die
Dorfbewohner sich versammelt hatten! Statt der Mittagsruhe, wollten sie miterleben, wie seine Freundin Einzug im Dorf hielt. Ilias lächelte, da stoppte der Bus. Anna stieg aus. Sie umarmte ihn stürmisch und gab ihm einen Kuss. Der Kontrolleur tippte sie auf die Schulter und zeigte auf ihr Gepäck, das er aus dem Verstauraum herausgeholt hatte. Sie dankte ihm. Schon setzte der Bus seine Reise fort.
„Hast du mich vermisst, Ilias?“
„Sehr.“
Sie freute sich über das Strahlen in seinen Augen.
„Jassu, herzlich willkommen“, rief der Mechaniker über die Straße. Das Gekicher seiner Töchter war bis zu ihnen zu hören. Anna winkte, Ilias nahm das Gepäck. Die Blicke der älteren Männer, die vor Dimitris’ Taverne saßen, die Hände auf die Gehstöcke gestützt, verfolgten das junge Paar. Die Frauen, die an der Straße entlang vor den Häusern standen, musterten die beiden genau. Der Lebensmittelhändler hob den Hut zum Gruß und seine Frau nickte leicht.
„Die sind aber alle freundlich“, stellte Anna fröhlich fest.
Schon kamen sie an Onkel Manolis’ Taverne vorbei. Er gab sich beschäftigt mit dem Abwischen eines Tisches vor der Tür. Anna grüßte lächelnd zu ihrer Linken und Rechten.
Als sie vorüber waren, blickte sie sich, von Neugier gepackt, um und bemerkte, dass die Leute prompt wegsahen, als wären sie ertappt worden.
„Mir kommt es vor, als würden wir beobachtet“, stellte sie daraufhin fest.
„Du bist die Attraktion! Ich denke, sie schließen jetzt Wetten ab, wie lange du es mit mir und überhaupt hier aushalten wirst“, meinte Ilias. Dann stieg er die Stufen zum elterlichen Haus hoch.
Dort steht seine Familie wie eine Mauer!, dachte Anna. Ihr wurde mulmig unter den skeptischen Blicken. Sie blieb stehen, winkte ihnen kurz zu und ließ Ilias alleine weitergehen. Für einen Moment drehte sie sich um. Genoss die Sicht auf die Berge und das tiefer gelegene Dorf Sfaka, das sie erst vor wenigen Minuten mit dem Bus passiert hatte. Sie sah die Dorfstraße hinunter, die Häuser drängten sich eng aneinander. Der Regen hatte auf dem weißen Anstrich braune Schlieren hinterlassen. Vor einer Tür stand ein Granatapfelbaum, aufgeplatzte Früchte hingen an dünnen, blätterlosen Ästen. In einem Verschlag lagen gestapelte Holzscheite. Ein Auto fuhr durch die enge Gasse. Der Fahrer hupte zum Gruß. Anna schreckte aus ihrer sekundenlangen Versunkenheit auf. Mutig drehte sie sich um. Immer noch verharrte die Familie in der gleichen Stellung. Ilias hatte sich bei ihnen eingereiht. Er zwinkerte ihr zu. Das gab ihr genügend Kraft, die letzten Stufen bis zur Haustür hinaufzusteigen.
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5. Kapitel
Emmanuel hielt den Wagen an und sagte: „Was stehst du hier auf der Straße? Konntest du mein Nachhausekommen nicht abwarten?“ Geschwind öffnete Thalia die Beifahrertür, schob sich auf den Sitz.
„Hast du sie gesehen? Ilias’ Freundin aus Deutschland?“
„Ich bin gerade an ihr vorbeigekommen.“
„Und?“ Ohne eine Antwort zu geben, fuhr er langsam die wenigen Meter zu ihrem Haus. Er parkte auf der Hofeinfahrt.
„Sie sieht toll aus!“, gab Thalia selbst die Antwort. „Da kann ich mit meiner pummeligen Figur nicht mithalten.“ Sie sah an sich herunter, strich den Pullover glatt. Dabei entwich ihr ein tiefer Seufzer. Schnell legte Emmanuel den Arm um seine Frau und zog sie an sich.
„Wie kommst du denn auf die Idee, dass du dick bist?“ Sie befreite sich und stieg aus. „Schau mal, ich habe breite Hüften und mein Hinterteil ist auch nicht von schlechten Eltern.“ Thalia zeigte ihm die Stellen, indem sie sich hin und her drehte.
„Was habe ich bloß für eine Frau geheiratet.“ Emmanuel grinste spöttisch. Dann nahm er ihre Hand und zog sie ins Haus. Dort stellte er Thalia vor die Garderobe.
„Sieh in den Spiegel. Dein schwarzes Haar umspielt dein rundes Gesicht. Du siehst feminin aus und nicht wie eine Bohnenstange. Deine Brüste sind wohl geformt.“ Er strich mit den Fingern darüber und weiter über ihren flachen Bauch bis zu den Hüften. Seine Hände verweilten.
„Du hast ein breites Becken, aber Fett finde ich nicht. Dein Po“, er griff fest zu, „der macht mich wahnsinnig.“ Er drehte sie zu sich um. „Am liebsten habe ich deine Spitznase.“ Er biss sanft hinein.
„Danke, du Schmeichler!“ Thalia sah ihn aus verliebten Augen an. „Weißt du, wie Ilias’ Freundin heißt?“
„Toll! Ich mache dir eine Liebeserklärung und du fragst nach ihrem Namen. Ich glaube sie heißt Anna. Zufrieden? Können wir jetzt wieder zum Schmusen übergehen?“
„Nein!“ Sie schob ihn weg. „Ich werde Anna einen Walnusskuchen backen und ihr zur Begrüßung bringen.“
„Gib’s zu, du bist neugierig“, schäkerte er.
„Freundlich würde ich es nennen. Abgesehen davon, ich denke, sie wird nicht viel älter sein als ich, somit könnten unsere Kinder gemeinsam aufwachsen.“ Sie drehte sich um, jedoch hielt Emmanuel sie am Arm zurück.
„Kinder entstehen nicht durchs Backen. Verstehst du?“ Verführerisch hauchte er die letzten Worte.
„Dazu haben wir später, ausreichend Zeit.“ Schnell drückte sie ihm einen Kuss auf den Mund und verschwand in der Küche.
„Ich erinnere dich daran!“, rief er.
„Da bin ich mir sicher. Seit Wochen gibt es keine andere Freizeitbeschäftigung für dich.“
„Das kommt aber vorwurfsvoll rüber. Hast du etwas dagegen?“ Thalia drehte sich um. Emmanuel stand im Türrahmen und sah sie skeptisch an. Sie ging auf ihn zu.
„Nein, schließlich möchte ich ein Kind von dir.“ Auf Zehenspitzen flüsterte sie ihm ins Ohr: „Nichts anderes ist wichtiger!“ Dann zog sie ihn mit sich ins Schlafzimmer.
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6. Kapitel
Aufgrund Annas Sprachenstudiums in Französisch, Englisch, Italienisch und Griechisch stand der Verständigung im Grunde nichts im Wege. Lambros nickte jedoch nur kurz mit dem Kopf, ohne Anna dabei anzuschauen. Anthi verzog die Mundwinkel zu einem Lächeln. Mit einer zögernden Handbewegung lud Sofia Anna ein, am Küchentisch Platz zu nehmen. Mit leichtem Zittern in den Beinen kam sie der Aufforderung nach.
Die Begrüßung habe ich mir freundlicher vorgestellt. Anna fühlte den eisigen Blick des Vaters, den er ihr zuwarf, ehe er ihn auf seinen Teller senkte und das Essen laut schmatzend zu sich nahm. In einer Hand hielt er die Gabel, in der anderen, in der man gewöhnlich ein Messer hält, ein Stück Weißbrot. Dieser Anblick war ihr aus den Semesterferien vertraut. Des öfteren hatte sie beobachtet, dass die Einheimischen das Brot benutzten, um den Bissen auf die Gabel zu schieben. Sobald sich ihr Teller leerte, schöpfte Sofia nach. Von der Reise hungrig, griff Anna dankbar zu. Sie nahm den Lammknochen zwischen die Finger, knabberte das restliche Fleisch ab. Plötzlich sah der Vater auf. Sofort fühlte sie sich unbehaglich und legte den Knochen zurück.
„Iss du mal schön weiter mit den Fingern.“ Ilias nahm sich seinen Knochen vor. Anna atmete erleichtert auf.
Nach der ausgiebigen Mahlzeit brachte Anthi Kuchen, Obst und Kaffee. Der Vater schenkte Raki ein und reichte ihr das Glas.
„Jamas! Auf die Gesundheit.“ Er hob das seine, stieß an, ohne jemandem dabei in die Augen zu sehen.
Schade, dass sich die meisten Griechen beim Zuprosten nicht anschauen, ging es Anna durch den Kopf. In einem Zug trank sie den Schnaps und fing sofort fürchterlich zu husten an. Ilias gab ihr ein Glas Wasser. Hastig leerte sie es.
„Der ist nicht so lasch wie in den Tavernen. Das ist bis zu fünfzigprozentiger Alkohol! Wir brennen ihn selbst. Den kannst du nur in kleinen Schlucken genießen“, flüsterte er ihr zu. Sie erkannte aus dem Augenwinkel, dass der Vater in seinen Bart lächelte und ihn dabei mit den Fingern lang strich. Kurz darauf beschäftigten sich Sofia und ihre Tochter mit dem Spülen. Sie klapperten lautstark mit den Tellern. Gemütlich auf der Bank zurückgelehnt, stopfte Lambros seine Pfeife. Er zündete sie an und zog kräftig daran. Das Streichholz warf er Richtung Kamin, es landete davor auf dem Boden. Anna bemerkte, dass es nicht das erste war, welches das Ziel verfehlt hatte. Aus seiner Hosentasche zog er ein komboloi. Die Holzperlen glitten durch seine Finger und ihr leises Klacken tönte durch den Raum.
„Du willst bei der Olivenernte helfen?“ Lambros wandte sich Anna zu.
„Gerne, Herr Manusakis.“
„Du kannst uns alle beim Vornamen nennen“, sagte er.
„Sehr freundlich.“ Anna reichte ihm die Hand und Lambros betrachtete sie von allen Seiten. „Nun, viel Arbeit hat die noch nicht zu sehen bekommen“, stellte er fest.
„Ich habe nie körperlich gearbeitet, sondern neben meinem Studium Nachhilfeunterricht in Sprachen gegeben.“ Verlegen zog Anna die Hand zurück. Der Vater deutete mit der Pfeife auf sie. „Für die Ernte taugt diese Kleidung nicht.“
Dass ich in engen Jeans und den Pumps nicht in die Bäume steigen kann, weiß ich selbst! Laut sagte sie: „Ist alles in meinem Koffer!“ Sie sprang auf, ging zum Gepäck.
„Du brauchst meinem Vater deine Sachen nicht zu zeigen“, warf Ilias ein. Sie lachte verlegen und setzte sich wieder. Dann schaute sie ihrem Gegenüber in die Augen. „Lambros, ich kann mir gut vorstellen, dir wäre eine einheimische Bäuerin an Ilias’ Seite lieber.“
„Schon gut“, unterbrach Lambros sie und senkte den Blick auf die Pfeife.
„Ich kann nicht versprechen, dass ich gut für die Arbeit auf dem Feld oder im Olivenhain bin, aber ich weiß, dass ich Ilias liebe. Es ist für mich keine jugendliche Laune, mein Geburtsland und meine Familie zu verlassen“, endete sie und spürte, wie Ilias eine Hand auf ihr Bein legte und leicht zudrückte. Der Vater nickte, stand auf und verließ den Raum. Ilias nahm Annas Arm und zog sie mit ins gemeinsame Zimmer, ihrem neuen Heim.
Die ersten fünf Tage waren für Anna anstrengend. Sie konnte das Dorf nicht erkunden, weil es unaufhörlich regnete und das Haus obendrein einem Bienenstock glich. Die gesamten Bewohner gingen bei Manusakis‘ ein und aus. Die Neugier auf die blonde Frau aus Deutschland trieb sie alle her. Schnell stellte Anna fest, dass fast jeder mit jedem in irgendeinem Grad verwandt war. Ihr besonderes Interesse galt jedoch Sofia und Anthi, denen es anscheinend nichts ausmachte, die ungeladenen Gäste zu bewirten. Vielmehr sah es danach aus, als seien sie darauf vorbereitet gewesen. Im Wohnzimmer, dass nur bei besonderen Anlässen genutzt wurde, prosteten sich die Männer zu und spielten mit ihren Perlenketten. Die Frauen hatten es sich in der Küche gemütlich gemacht. Obwohl Mutter und Tochter ununterbrochen zwischen Küche und Salon hin und her eilten, um immer neue Gerichte aufzutragen, konnte Anna ihnen keinerlei Anstrengung anmerken, sondern nahm im Gegenteil Freude auf ihren Gesichtern wahr. Nach dem Mittagessen trat Stille ein, bis in den Abendstunden die Besucher erneut in Scharen erschienen. Kaum Zeit für Anna und Ilias, ungestört allein zu sein. Sie genossen die wenigen Stunden Zweisamkeit, wenn sie abends im Bett lagen. Oft hielten sie sich in den Armen, ohne ein Wort miteinander zu sprechen und schliefen erschöpft ein.
Die Sonne setzte sich schließlich gegen die gewaltigen Regenwolken durch, der Wind schob sie gen Osten.
„Morgen fangen wir mit der Olivenernte an“, sagte Ilias.
Anna streckte die Beine unter dem Küchentisch aus und reckte die Arme zur Decke. Noch saß ihr der gestrige Abend in den Knochen. Nach all den Besuchern, die erst gegen Mitternacht aus dem Haus gegangen waren, fühlte sie sich müde und schlapp. „Und?“, fragte sie gähnend.
„Mutter und Anthi bereiten heute das Essen vor, das wir mitnehmen werden. Vater und ich beladen den Pick-up mit den Gerätschaften. Morgen früh geht’s eine Stunde eher aus den Federn, damit wir vorher im Stall die Tiere füttern können. Wir fangen mit unserem Grundstück in den Bergen an, dort sind die Oliven reifer.“ Er gab ihr einen Kuss.
„Habt ihr viele Bäume?“, fragte sie.
„An die tausend.“
„So viele?“
„Anna“, er lächelte sie an, „andere Familien besitzen weitaus mehr!“ Sie schluckte. „Wer hilft euch bei der Ernte?“
„Du!“ Er zeigte mit der Hand auf sie.
„Willst du mir weismachen, deine Eltern, Anthi und du - ihr bewältigt das ganz allein?“
„Schon in unserer Kinderzeit haben wir mitgeholfen. Mach nicht so ein verdutztes Gesicht.“ Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, „das ist Tradition. Früher halfen meine Großeltern mit.“ Er ging zum Kaminsims und kam mit einem Bild zurück. „Sie leben in Athen bei Vaters Schwester. Das sind Ilias und Despina.“ Das Foto zeigte ein älteres Paar.
„Ilias?“ Anna krauste die Stirn.
„Ich bin nach meinem Großvater väterlicherseits genannt worden, auch das ist eine alte Tradition“, erklärte er.
„Dann müsste es in jeder Familie aber viele mit gleichem Namen geben.“ Sie lachte unwillkürlich laut auf.
„Das stimmt.“
„Was für ein Krach am frühen Morgen“, grollte es aus dem Flur herüber. Anna zog die Schultern hoch und hielt sich die Hand vor den Mund. Da stapfte Lambros schon in die Küche.
„Kalimera.“ Sie wich seinem strafenden Blick aus.
Er setzte sich auf die Bank und sagte: „Morgen geht’s los. Ich hoffe, du bist bereit.“ Anna beschlich das Gefühl, als würde sein Blick durch sie hindurchgehen.
„Dass du mir nicht vom Baum fällst! Wir haben keine Zeit, dich in unser weit entferntes Krankenhaus zu bringen. Die Oliven müssen schnell runter, in die Säcke und ab zur Fabrik, damit wir einen guten Säurewert bekommen.“ Er zog die Pfeife aus der Jackentasche, Tabak krümelte auf Bank und Boden. Der Vater beschäftigte sich mit dem Stopfen und Anzünden. Sie beobachtete ihn. Ich werde später Ilias fragen, was das mit dem Säurewert auf sich hat. Bestimmt falle ich nicht vom Baum! Sie sah Lambros an, als hätte sie die Worte laut ausgesprochen. Kurz darauf ging sie aus dem Zimmer. Im Hintergrund hörte sie die beiden Männer miteinander diskutieren. Leise schloss sie die Tür und setzte sich aufs Bett. Was ist, wenn ich es nicht schaffe? Wenn ich zu schlapp zum Olivenernten bin. Ich weiß gar nicht, wie das geht! Ob mir Ilias alles erklärt? Was ist, wenn ich auf die Toilette muss? Sie stand auf und suchte die Kleidung zusammen, die sie bei der Ernte tragen wollte. Schon bald hatte sie die Auswahl getroffen. Wird schon alles gut werden!, dachte sie. Um sich von dem Gedanken an die Olivenernte abzulenken nahm sie ein Buch zur Hand und konzentrierte sich auf die Handlung.
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7. Kapitel
„Aufstehen, die Olivenbäume warten“, flüsterte Ilias ihr ins Ohr. Gemächlich öffnete Anna die Lider und sah, dass er fertig angezogen vor ihr stand. Sie rieb sich die Augen, reckte und streckte ihre müden Glieder. Dann sagte sie gähnend: „Bist du schon lange auf?“ Sie schob die Decke zur Seite, schwang die Beine hinaus.
Er gab ihr einen Kuss. „Wir haben die Tiere gefüttert, trinken einen Kaffee, dann fahren wir.“
„Kein Frühstück?“ Sie wickelte den Bademantel um sich, zog den Gürtel eng zusammen.
„Erst müssen die Netze liegen.“ Schon war Ilias aus dem Zimmer verschwunden.
Schnell wusch sich Anna mit dem eisigen Wasser, steckte ihr Haar gekonnt hoch. Zog die Cordhose und einen warmen Rollkragenpullover an, darüber ihre Strickjacke.
Schnell schlüpfte sie in die Wanderschuhe.
„Kalimera“, grüßte sie, als sie in die Küche kam, ging zur Kochstelle und machte sich einen griechischen Kaffee, gefolgt von Lambros Blick. Schau du ruhig skeptisch drein, Lambros, ich werde lernen eine Bäuerin zu sein!
Sofia verstaute den Proviant in einem großen Weidenkorb. Ihre Tochter trug einen Kanister Wasser herein. Auf dem Tisch standen Plätzchen. Anna griff danach und tunkte eines in den Kaffee. Die Männer unterhielten sich über die Olivenernte. Sofia spülte die Tassen, stellte sie in den Geschirrständer, rieb sich die Hände an der Schürze ab. Als wäre das ein Zeichen gewesen, sagte Lambros: „Es geht los.“
Anna setzte sich neben Ilias auf die Ladefläche des Pick-ups. Er klopfte aufs Autodach. Daraufhin startete der Vater den Wagen. Im Schritttempo fuhren sie durch die engen Straßen. Die Nachbarfamilie stand vor der Haustür, auch sie fertig zur Abfahrt. Einige Bewohner gingen zu Fuß und trugen ihre Säcke, sowie Gerätschaften auf dem Rücken.
„Eine gute Ernte!“, schallte es durch die Gassen.
Maria, die dreiundneunzigjährige Dorfälteste, saß auf ihrem Esel und hieb leicht mit dem Stöckchen auf sein Hinterteil. Am Dorfeingang standen zwei vom Alter gebeugte Männer. Ihre Olivenbäume befanden sich unterhalb des Friedhofes. Die Netze waren schon ausgelegt. Mit ihren Hüten winkten sie den Vorbeikommenden zu. Ein gutes Gefühl machte sich in Anna breit. Wenn die Ältesten es schaffen, werde ich auch durchhalten, schließlich bin ich um Jahrzehnte jünger!
Sie fuhren auf der Hauptstraße Richtung Osten. Anna legte den Kopf ans Führerhaus. Der Wind wehte ihr ins Gesicht. Sie betrachtete das Panorama, die Olivenhaine erstreckten sich bis zum Meer. Dazwischen vereinzelte Häuser, die oberhalb der Baumwipfel an den Berghängen hervorlugten. Sie sog tief die kühle Luft in ihre Lungen. Lambros bog in einen Feldweg ein. Bei der Bergfahrt heulte der Motor gequält auf.
„Ist es noch weit?“ Anna sah zu Ilias hinüber.
„Gleich müssen wir laufen. Der Wagen schafft es nicht, uns alle hochzufahren.“
Da bremste Lambros auch schon. Anna und Ilias sprangen von der Ladefläche, Anthi und ihre Mutter stiegen aus. Der Vater fuhr weiter. Die Schuhe versanken im aufgeweichten Erdreich. Nach einem zehnminütigen Anstieg hatten sie ihr Ziel erreicht. Lambros verlor keine Zeit. Hurtig zog er die Netze vom Wagen. Ilias half ihm. Sofia und ihre Tochter hoben den Proviantkorb und den Kanister mit Wasser herunter, trugen die Last an einen Platz, wo einige Steine im Kreis lagen. Eine Feuerstelle!, dachte Anna. Alles ging ohne Worte vor sich. Anna fühlte sich unwohl in ihrer Haut, jeder schien seinen Handgriff zu kennen. Was sollte sie machen? - Einfach zugreifen! Voller Tatendrang schritt sie auf den Wagen zu, stieg nochmals auf und zog ein Netz an den Rand, sodass die Männer es besser herunter heben konnten. Lambros murmelte in seinen Bart. Habe ich etwas falsch gemacht? Sie ließ sich nicht weiter irritieren, legte die Holzstöcke zusammen. Wozu die wohl sind? Sie zuckte mit den Schultern und reichte sie Ilias. Als sie gerade dabei war, die Jutesäcke zur Ladeklappe zu ziehen, hielt Lambros sie davon ab. „Die brauchen wir nicht! Wir haben noch keine Oliven geerntet, oder?“ Unter seinem kritischen Blick sackte sie kurz in sich zusammen. Bald darauf nahm sie wieder entschlossen den Rucksack und sprang von der Ladenfläche. Anthi und Sofia waren bereits dabei, die Netze unter den Bäumen auszubreiten. Ein eingespieltes Team, stellte Anna fest. Verdammt! Ich will hier nicht nur dumm rumstehen und glotzen. Wieso erklärt mir keiner etwas!? Sie sah, dass Ilias und sein Vater, jeder mit einer Säge in der Hand, auf die Bäume kletterten, unter denen bereits Netze lagen. Sie beobachtete, wie Lambros, sich am Stamm festhaltend, zur Baumkrone hochblickte. Anna ging neugierig einen Schritt näher darauf zu. Er sägte einen dicken Ast ab. Als er zu Boden fiel, sprang sie zur Seite.
„Geh weg!“, schrie Lambros. Schon krachte der nächste herab. Sie erkannte, dass die Äste aus der Mitte heraus abgesägt wurden, sodass es aussah, als würde der Baum eine Krone tragen. Nach einiger Zeit stiegen die Männer herunter, legten ihre Säge ab und gingen Richtung Auto, wo Sofia mit ihrer Tochter eine Decke auf dem Waldboden ausbreitete.
Sie haben sich ihr Frühstück verdient, doch was habe ich gemacht? So habe ich mir das nicht vorgestellt! Anna setzte sich neben Ilias, der ihr sanft über die Hand strich. Dann griff er nach einem hart gekochten Ei. Einzig die Kaugeräusche störten die Stille der Natur. Anna hatte keinen Appetit. Niemand sprach. Lambros’ Blick ging zu den Olivenbäumen hinüber, ab und zu nickte er. Ilias war voll und ganz mit dem Essen beschäftigt. Den Kopf an einen Baumstamm gelegt, schaute Anthi in den Himmel, während Sofia die Gläser mit Wasser füllte und sie vor jeden hinstellte.
So konnte es nicht weitergehen! Anna fasste sich ein Herz. Sie nahm einen kräftigen Schluck, räusperte sich. Plötzlich waren alle Augenpaare auf sie gerichtet. Nur nicht schlapp machen! „Ich komme mir ziemlich nutzlos vor!“ Sie schaute in die Runde. Lambros zog die Augenbrauen zusammen.
„Wie meinst du das?“, fragte Ilias.
„Ich will nicht herumstehen und euch bei der Arbeit zusehen. Ich möchte mit anfassen!“
„Aber das machst du doch“, mischte sich Sofia ins Gespräch ein.
„Sei ehrlich, was mache ich denn schon?“
„Nun, du hast ...“, setzte Anthi an, doch anscheinend fiel ihr nichts ein, weil sie mitten im Satz aufhörte.
„Siehst du!“ Anna gestikulierte mit den Händen. „Jeder weiß, zu welcher Arbeit er eingeteilt ist. Ich nicht! Ihr müsst mir schon sagen, was ich zu tun habe!“ Sie atmete tief ein, weil sie durch das schnelle Reden außer Atem geraten war. Keiner reagierte. Lambros gab seiner Frau ein Zeichen, daraufhin goss sie ihm Kaffee aus der Thermoskanne ein.
Was nun? Anna biss sich auf die Unterlippe. „Hab ich die falsche Kleidung an?“ Lambros schüttelte den Kopf.
Wenigstens eine Reaktion! „Ich will nicht wie ein Gast bedient werden, sondern Oliven ernten! Aber wenn es mir keiner beibringt, wie soll ich dann hilfreich sein?“ Ihre Stimme war lauter geworden, sie war kurz vor dem Verzweifeln und spürte Tränen hochkommen. Schnell entfernte sie sich von der Gesellschaft. Auf einmal stand Ilias hinter ihr, nahm sie in den Arm. Sie legte den Kopf an seine Brust. Ihr Blick fiel auf Lambros, der seiner Frau etwas zuflüsterte. Beide deuteten auf Anna. Der Vater stand auf und kam auf sie zu. Ihr Herz schlug schneller. Sie schob Ilias ein Stück weg.
„Komm mal mit“, sagte Lambros und ging weiter.
Was hat er vor? Will er mich zurechtweisen? Hilfesuchend drehte sie sich nach Ilias um und stieß mit Lambros zusammen, der stehen geblieben war. Sie stolperte rückwärts, fing sich wieder. Er hielt zwei kurze Holzstöcke in der Hand und reichte ihr einen. Sie griff danach. Lambros bückte sich, hob einen abgesägten Ast auf und hieb auf ihn ein. Sofort purzelten unzählige Oliven aufs Netz.
„Siehst du? Du hältst das Ende fest, lehnst den Ast gegen dein Bein, schlägst mit dem Stock auf ihn ein.“ Lambros sah kurz auf. Anna nickte. Am liebsten wäre sie vor Freude gehüpft, als die ersten selbst geernteten Oliven ins Netz fielen. Es sah aus, als würden sie beim Aufschlagen tanzen.
„Du musst ihn hin und wieder drehen, damit auch alle Oliven herunterfallen!“, mahnte Lambros. Eifrig griff sie nach dem nächsten Ast. Sorgsam achtete sie darauf, dass sie nicht auf die Oliven trat, die schon am Boden lagen. Endlich eine Aufgabe!
Schon nach kurzer Zeit zog sie die Strickjacke aus und band sie sich um die Hüften. Anna summte. Die gleichmäßigen Schläge hallten durch die Natur. Baum für Baum wurde abgeerntet.
Plötzlich schrak sie zusammen und ließ den Stock fallen. Ilias hatte ihr auf die Schulter getippt. „Ich habe dich drei Mal gerufen. Doch du bist so in deine Arbeit vertieft.“ Er lächelte sie an.
„Puh!“ Mit dem Handrücken wischte sie sich den Schweiß von der Stirn. „Ich bin ganz schön ins Schwitzen geraten.“
„Kein Wunder, du schuftest wie eine Wilde.“ Er zog sie in seine Arme. „Es ist Zeit zum Mittagessen.“ Anna sah auf die Armbanduhr. „Schon so spät.“ Sie bemerkte, dass sich in ihren Handflächen kleine Blasen gebildet hatten. „Morgen bekommst du Handschuhe“, sagte Ilias.
Die restliche Familie hatte mit dem Essen angefangen.
Die zwei Minuten hätten sie auch ruhig warten können! Keiner sprach, dabei hatte sie sich ein kleines Lob erhofft. Sie griff nach einem Stück Laib, kaute enttäuscht darauf herum.
„Mit Brot allein bleibst du nicht bei Kräften.“ Ilias reichte ihr Besteck. Zunächst beobachtete sie, dass jeder mit seiner Gabel in eine gelbliche Masse tauchte, also machte sie es ihnen gleich.
„Was ist das?“, fragte sie mit vollem Mund.
„Fava, Erbsenbrei mit Olivenöl und frischen Zwiebelringen“, antwortete Sofia.
„Lecker!“ Anna nahm erneut. Zum Abschluss gab es Orangen. „Die schmecken zuckersüß!“, stellte Anna begeistert fest, leckte sich den Saft von den Fingern. Dabei erhaschte sie ein Lächeln von Ilias’ Vater. Dass der Brummbär das kann! Lambros streckte sich aus, stopfte die Pfeife, zog genüsslich daran. Wenig später nahm er sein komboloi und ließ die Perlen rollen. Anna packte die Gelegenheit beim Schopf und verschwand ein Stück weiter in den Büschen. Als sie zurück kam, waren die anderen schon fleißig bei der Arbeit. Sie hatte auf dem Rückweg Pilze gefunden und dabei die Zeit vertrödelt.
„Du kennst dich mit Pilzen aus?“, fragte Ilias’ Mutter.
„Die sind gut, oder?“ Sofia nickte zur Antwort. Plötzlich tauchte Lambros neben ihnen auf. „Mittagspause ist zu Ende! Los!“, brummte er und ging an ihnen vorbei zum Auto. Anna legte die Pilze auf den Boden, lief zu ihrem Platz. Ohne nochmals aufzublicken, hieb sie wütend auf die Äste ein, sodass die Oliven zu allen Seiten wegspritzten.
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8. Kapitel
Geruch von Desinfektionsmittel stieg Thalia in die Nase, sie atmete flach, während sie im Krankenhausflur wartete, bis sie an der Reihe war. Dabei beobachtete sie die anderen Patientinnen. Nahezu alle Frauen waren schwanger.
Thalia musterte die Männer, die hin und wieder erschienen, sich zu ihrer Liebsten beugten, sprachen, dabei aufs Arztzimmer deuteten. Kurz darauf entschwanden sie abermals nach draußen. Nervös spielte Thalia am Riemen der Handtasche. Eigentlich sollte ich bei dem schönen Wetter mit im Olivenhain stehen, meldete sich ihr Gewissen. Sie dachte an Emmanuel, der mit Verwandten bei der Ernte war. Seit vierzehn Tagen hatte er Urlaub, um ihnen zu helfen. Bald musste er wieder seiner Arbeit auf dem Postamt nachgehen. Im Dorf gab es Beschwerden, dass nur an wenigen Tagen der Schalter mit einer Aushilfe besetzt war, die aus Sitia kam. Die älteren Bewohner wollten keine Veränderungen. Sie waren seit Jahren daran gewöhnt, ihre monatliche Rentenzahlung bei Emmanuel in Empfang zu nehmen. Und die fiel in die kommende Woche.
Meine Güte! Nichts geht weiter! Ich möchte endlich Gewissheit haben! Als wäre ihr Bitten erhört worden, bat die Schwester sie ins Zimmer. Mit zittrigen Beinen, jedoch voller Erwartung setzte sich Thalia auf den Stuhl vor dem Schreibtisch. Der Gynäkologe grüßte sie.
„Was führt Sie zu mir?“
„Ich bin seit fünf Tagen über die Zeit. Könnten Sie bitte nachsehen, ob ich schwanger bin?“ Sie knetete die Finger im Schoß.
„Wir fangen mit einem Urintest an. Bitte gehen Sie zum Labor und lassen sich einen Becher geben. Wenn Sie den Befund haben, kommen Sie wieder zu mir zurück.“ Er nickte der Assistentin zu, die Thalia die Tür öffnete.
Nach einer Stunde hielt Thalia das Testergebnis in den Händen. Sie drückte sich in eine Flurnische und öffnete den gefalteten Bogen. Ihr Herzschlag erhöhte sich, sie war kaum in der Lage den Befund zu halten, so sehr zitterten die Hände. Sie schloss die Augen. Lieber Gott! Bitte! Lass mich schwanger sein! Nach einem tiefen Durchatmen nahm sie allen Mut zusammen und las das Ergebnis. Negativ! Ihre Beine gaben nach. Um nicht umzufallen, lehnte sie sich an die Wand. Nein! Das kann nicht sein. Wieder starrte sie auf das Wort, als könne es sich von einem Augenblick zum anderen in „positiv“ verwandeln.
„Ich bekomme meine Periode sonst auf den Tag genau“, sagte sie, nachdem der Doktor ihr das Ergebnis mündlich bestätigte.
„Das Ausbleiben kann eine andere Ursache haben. Ich mache einen Abstrich. In ein paar Tagen werden wir sehen, ob eine Erkrankung vorliegt.“ Thalia nahm auf dem Gynäkologenstuhl Platz, legte sich zurück und faltete die Hände auf dem Bauch. „Denken Sie, ich bin krank?“
„Hatten Sie in letzter Zeit Ausfluss?“
„Nein.“
„Andere Beschwerden?“
„Nein, ausgenommen, dass ich meine Periode nicht bekam und hoffte, schwanger zu sein. Kann der Test falsch sein? Vielleicht sind es zu wenig Tage, die ich drüber bin?“
„Wenn Sie den Befund erhalten und Ihre Periode sich bis dahin nicht eingestellt hat, werden wir ihn wiederholen.“
Er strich die Probe auf ein Glasplättchen, legte es dann in eine Plastikschale.
„Bringen Sie den Abstrich ins Labor und fragen Sie nach, wann die Auswertung fertig ist. Wir sehen uns dann wieder.“ Er verließ den Raum. Thalia kleidete sich an und ging ein weiteres Mal den langen Flur entlang zum Labor.
Erschöpft kam Emmanuel am Abend von der Ernte heim und fand seine Frau im Wohnzimmer auf der Couch liegend vor. Sie sah ihn aus rotgeweinten Augen an.
„Ich bin nicht schwanger! Der Arzt hat einen weiteren Test gemacht.“
„Und?“
„In einer Woche ist der Befund fertig.“
„Vielleicht kann ich für ein paar Stunden die Post schließen und mir dir fahren.“
„Bist du nicht enttäuscht?“ Sie setzte sich auf.
„Warum? Wir sind jung und haben das ganze Leben noch vor uns. Ob du jetzt schwanger bist oder nächsten Monat, darauf kommt es nicht an. Hauptsache, du bist gesund!“
Liebevoll legte er die Arme um sie. Plötzlich zog ein krampfartiger Schmerz durch Thalias Unterleib.
„Ich muss auf die Toilette, ich bekomme gerade in dem Moment meine Periode.“
In den nächsten Tagen hatte Thalia das Gefühl, die Blutungen würden nie mehr aufhören. Nachts verbrachte sie die Zeit mit Grübeln, aus Angst krank zu sein. Am Morgen erwachte sie wie gerädert und schleppte sich in die Olivenernte.
Emmanuel erhielt keine Erlaubnis, den Schalter zu schließen. Thalia fuhr mit dem Bus in die Stadt.
„Ihr Abstrich ist unauffällig“, sagte der Doktor. Thalia atmete auf.
„Woran kann die Verspätung liegen, wenn ich ansonsten gesund bin?“ Sie biss die Zähne aufeinander, um ihre Nervosität zu unterdrücken.
„Hatten Sie in letzter Zeit Stress?“
„Die Olivenernte und der Haushalt, mehr nicht.“
„Denken Sie permanent daran, schwanger zu werden?“
Sie senkte den Blick, band sich den Gurt der Handtasche um den Finger und zog ihn fest zu. „Ich wünsche mir sehnlichst Kinder. Mein Mann auch“, setzte sie schnell hinzu. Der abgeschnürte Zeigefinger wurde weiß. Schnell lockerte Thalia den Riemen.
„Wie lange sind Sie verheiratet?“
„Seit fünf Monaten. Da müsste es längst geklappt haben! Früher wurde ich schnell schwanger.“ Tränen schlichen sich in ihre Augen, sie schluckte sie herunter.
„Aber damals wollten Sie nicht schwanger werden.“ Der Arzt nahm den Block zur Hand.
„Sie meinen, ich sollte nicht ständig daran denken?“
„Genießen Sie die Zweisamkeit mit Ihrem Ehemann. Gehen Sie aus, verreisen Sie ein paar Tage. Eine andere Umgebung kann oft Wunder wirken. Ich schreibe Ihnen Vitamine auf, die müssen Sie jedoch aus eigener Tasche bezahlen, die übernimmt die Krankenkasse nicht.“ Er reichte ihr das Rezept.
„Wir könnten erst in einigen Monaten, nach der Olivenernte, fahren.“ Mutlos stand sie auf und nahm den Zettel entgegen.
„Wie sieht es bei Ihnen mit einem Hobby aus?“, fragte der Arzt.
„Hin und wieder lese ich gerne ein historisches Buch.“
„Suchen Sie sich etwas Kreatives; Handarbeiten, Malen, Schreiben oder was Ihnen Spaß macht. Wichtig ist, dass sich Ihre Gedanken nicht ständig um eine Schwangerschaft drehen.“
„Ich werde mir Mühe geben! Schließlich möchte ich endlich ein Kind in meinen Armen halten.“ Sie verabschiedete sich und ging in die gegenüberliegende Apotheke.
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9. Kapitel
Spät am Nachmittag kam Anna mit Ilias’ Familie ins Dorf zurück. Stumm ging sie in ihr Zimmer, ließ sich erschöpft aufs Bett fallen und schlief sofort ein. Als sie erwachte, war es dunkel geworden. Beim Aufstehen schmerzte jeder einzelne Muskel. Sie zog den Laden zu. Geräuschlos trat sie in den Flur und huschte ins Bad.
Was gäbe ich für eine heiße Wanne voller Schaum! Doch das ging nicht. Um zu baden, musste eine Eisenwanne in die Küche gestellt und Wasser auf der Feuerstelle heiß gemacht werden. Sie besah sich die Blasen in den Handflächen. Da muss ich durch. Morgen trage ich Handschuhe, wenn ich mich überhaupt noch bewegen kann. Sie strich sich eine Strähne aus der Stirn, trat in die Küche. Dort saß Ilias mit dem Vater. Sie tranken Raki und unterhielten sich über die Ernte.
Es gibt wohl keinen anderen Gesprächsstoff mehr!
Die beiden Frauen waren mit Kochen beschäftigt.
„Ausgeschlafen?“ Ihr Freund zog einen Stuhl heran.
„Ja.“ Kaum hatte Anna sich gesetzt, stellte Sofia einen Teller vor sie hin. Hungrig verschlang sie die mit Reis gefüllten Weißkohlblätter.
„Mein Vater fragt, wo die gesammelten Pilze sind.“ Ilias berührte sie am Ellbogen. Sie sah direkt in Lambros’ Augen.
„Entschuldigung, ich habe nicht zugehört.“
„Wo sind sie?“, fragte Lambros.
„Auf dem Olivenhain.“
Der Vater hieb mit der Faust auf den Tisch. „Die guten Pilze? Wieso hast du sie gesammelt, wenn du sie nicht mitnimmst?“
„Weil du mir das Gefühl gegeben hast, etwas Unrechtes getan zu haben.“ Sich ihrer lauten Worte bewusst, hielt sie schnell die Hand vor den Mund.
„So einen Ton verbitte ich mir!“
Sie fasste sich wieder und konterte: „Entweder bin ich Luft für euch, oder unter ständiger Beobachtung. Als würde jeder, ganz besonders du, nur darauf lauern, dass ich irgendetwas falsch mache“, und dachte dabei: Ich beuge mich nicht! Das habe ich lange genug bei meinem Vater getan! Jetzt ist Schuss damit, ich sage, was ich denke und fühle!
„So jemand ist mir in meinem Leben noch nicht untergekommen. Du widersprichst einer älteren Person!“ Lambros war aufgestanden, ging im Raum auf und ab.
„Was sagst du dazu, Sofia?“ Gehorsam drehte sich seine Frau zu ihm um.
„Na, was ist?“, fragte er nach. Sie wischte sich die Hände an der Schürze ab, sah von einem zum anderen, bis ihr Blick sich mit dem ihres Mannes wieder traf. Leise sprach sie: „Du hast mich nie um meine Meinung gebeten.“
„Verdammt noch mal, was ist denn auf einmal in unsere Familie gefahren? Da kommt eine Deutsche und alle spielen verrückt.“ Er ging auf seinen Sohn zu, der die ganze Zeit stumm die Situation beobachtet hatte. „Das hast du uns eingebrockt!“ Wütend verließ er das Zimmer. Der Geruch seiner Pfeife schwebte noch in der Luft, da hörte Anna die Haustür krachend ins Schloss fallen. Ängstlich sah sie Sofia an, die auf sie zukam. Anna schob den Stuhl zurück.
„Bleib sitzen“, bat Sofia. „Mein Mann hat im Krieg unter den deutschen Soldaten in Chania gelitten. Sein Vater wurde getötet und die Mutter verletzt. Als Jugendlicher musste er sich als Ältester von acht Geschwistern um die Familie kümmern. Als Ilias uns erzählte, dass du herkommen würdest, sind in ihm die Erinnerungen an damals hochgekommen. Kannst du das verstehen?“
„Ich versuche es.“
„Anna, mein Sohn liebt dich. Er ist glücklich, drum bist du in unserem Haus willkommen. Gib meinem Mann Zeit, dich besser kennen zu lernen. Geht schlafen. Ab morgen hilfst du uns, das Essen vorzubereiten. Einverstanden?“
„Ja.“ Anna hörte Geräusche an der Haustür und schreckte von ihrem Platz hoch. Als sie aus dem Zimmer gehen wollte, tauchte Lambros‘ Schatten vor ihr auf. Er ging lauten Schrittes an ihr vorbei. Im Schlafzimmer lehnte Anna sich an den Bettpfosten und atmete tief durch. Kurz darauf kam Ilias herein. Schweigend kleidete er sich aus und schlüpfte unter die Bettdecke. Anna zog das Nachthemd an und legte sich zu ihm. Es brodelte in ihr. Was ist das bloß für eine Familie! Ilias hat mich nicht vor seinem Vater verteidigt. Habe ich einen Fehler gemacht und mich in den falschen Mann verliebt? Auf einmal beschlich sie das Gefühl, als würde sie an ihren Fragen ersticken.
„Ilias?“, flüsterte sie.
„Mhm.“
„Können wir darüber reden?“
„Worüber?“
„Was eben in der Küche geschehen ist.“
„Ich bin müde.“
„Dein Vater behandelt mich ungerecht. Ich versuche wirklich mein Bestes. Aber ...“
„Reg dich bitte nicht wieder auf.“
„Tue ich doch gar nicht!“
„Und warum schreist ...“ Er konnte den Satz nicht vollenden, weil aus dem Nebenzimmer ein Brüllen vom Vater zu ihnen herüber schallte.
„Rede leiser!“, flüsterte Ilias.
„Entschuldige.“
„Komm mal her.“ Anna kuschelte sich in seinen Arm. „Hör auf meiner Mutters Rat. Vater ist im Grunde ein herzensguter Mensch, auch wenn du das im Moment nicht zu spüren bekommst. Ergibt es sich, werde ich mit ihm reden. Vertraust du mir?“ Sachte streichelte er ihr über die Stirn. Sie nickte. Kurz darauf war sie eingeschlafen.
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10. Kapitel
Den Kopf über die Tasse gebeugt, saß Thalia am Küchentisch und rührte unaufhörlich den Tee um. Salbeiduft verteilte sich im Raum. Gerade hatte ihr Mann fluchtartig das Haus verlassen. Emmanuels Urlaub war zu Ende und die Dorfbewohner standen bereits zu früher Stunde Schlange vor dem Postamt. Der Regen peitschte an die Scheiben, weshalb die heutige Olivenernte ausfiel.
Thalia genoss den erntefreien Tag und überlegte, womit sie sich kreativ beschäftigen könnte. Sie schaute aus dem Fenster und beobachtete, wie Emmanuel das Postamt öffnete, damit die Bewohner nicht im Regen standen. Dann stieg er zurück in den Pick-up und fuhr zur Bushaltestelle. Sie sah auf die Uhr. Der Bus würde bald die Post fürs Dorf bringen.
Armer Emmanuel! Du wirst heute reichlich ran müssen. Dir bleibt nicht einmal Zeit, die Briefe zu sortieren. Sie wandte sich ab, ging ins Schlafzimmer, um das Fenster, das sie nach dem Aufstehen zum Lüften geöffnet hatte, zu schließen. Auf dem Boden zeichnete sich eine Pfütze ab. Sie holte aus der Küche den Lappen und wischte das Wasser auf. Ihre Gedanken drehten sich weiterhin um eine schöpferische Aufgabe. Ich könnte malen! Sie schüttelte jedoch kurz darauf den Kopf. Dazu fehlte mir in der Schule schon das Talent! Im Wohnzimmer zog sie einen Block aus der Schublade. Auf dem Sofa sitzend, stierte sie aufs leere Blatt. Nach einer halben Stunde, in der sie Strichmännchen aufs Papier gebracht hatte, gab sie auf. Zum Schreiben bin ich wahrscheinlich auch nicht geeignet. Sie schritt von einem Zimmer ins andere, sah sich um, als könnte sie irgendwo dort die Lösung für ihr Problem finden. Im Badezimmer entdeckte sie Wasserflecken auf dem Spiegel. Sie griff nach dem Tuch und wischte darüber. Kurz darauf erstrahlte er im neuen Glanz. Dann fiel ihr Blick aufs Waschbecken. Schmierränder! Sie nahm den Schwamm und scheuerte es blank. Darauf folgten die Kacheln, die Wanne und der Boden. Als befände Thalia sich im Rausch, brachte sie das gesamte Haus auf Hochglanz. Chlorgeruch, gemischt mit Zitronenaroma, breitete sich in den Räumen aus. Sie war gerade dabei, das Besteck zu polieren, als Emmanuel von der Arbeit kam. Wie gewohnt ging er an den Herd, schaute in den Topf und fand ihn leer vor.
„Kein Mittagessen?“
Vor lauter Eifer hatte Thalia vergessen zu kochen. „Ich bereite uns Pfannkuchen mit Äpfeln zu“, sagte sie, um ihr Versäumnis zu vertuschen. Schnell suchte sie die Zutaten zusammen, schnitt Äpfel in Scheiben, vermengte Eier, Mehl und Milch.
„Es riecht ziemlich nach Chlor!“ Emmanuel zog die Nase kraus.
„Es tötet die Bakterien.“
Er öffnete das Wohnzimmerfenster, fächerte frische Luft herein. Danach machte er es sich auf dem Sofa bequem und goss Wein aus der auf dem Tisch stehenden Karaffe ins Glas.
Als ihm der süße Duft von Gebackenem in die Nase stieg, ging er zurück in die Küche. Sogleich stellte Thalia ihm das Mittagessen hin, danach goss sie weiteren Teig ins heiße Öl. Ohne auf Thalia zu warten, machte sich ihr Mann über die Pfannkuchen her. Immer wieder füllte Thalia seinen Teller auf. Nach sechs Plinsen und drei weiteren Gläsern Wein legte sich Emmanuel ins Bett. Erst dann konnte sich Thalia in Ruhe ihrem Mahl widmen. Als sie mit dem Aufräumen der Küche fertig war, vernahm sie Emmanuels Schnarchen aus dem Schlafzimmer. Auf Zehenspitzen schlich sie darauf zu und schloss leise die Tür. Im Badezimmer wischte sie ein weiteres Mal mit dem Schrubber über den Boden.
In der Abenddämmung fielen Thalia Streifen an den am Morgen im Nieselregen gesäuberten Fensterscheiben auf. Sie war gerade dabei, sie mit Zeitungspapier trocken zu reiben, als Emmanuel mit zerzaustem Haar aus dem Schlafzimmer kam.
„Du putzt immer noch?“
„Morgen geht’s wieder in die Olivenernte, ich wollte das Haus wenigstens einmal sauber bekommen.“ Sie schloss das Fenster.
„Gehst du mit in die Taverne?“
„Ich komme nach“, versprach sie, räumte die Putzutensilien zusammen und trug sie ins Bad. Dort verstaute sie die Reinigungsmittel im Schrank, die Lappen legte sie auf einem Haufen zusammen vor die Waschmaschine. Emmanuel stand vor dem Spiegel, bändigte sein braun gewelltes Haar und fuhr sich kurz mit Wasser durchs Gesicht. Thalia beobachtete ihn. Mein Mann sieht toll aus! Das Hemd spannt ein wenig über seinem Bauchansatz. Ihre Augen glitten weiter an ihm herab. In dem Moment drehte Emmanuel sich um. „Wo siehst du denn hin?“
Sie fühlte sich ertappt. Er kam auf sie zu, zog sie zärtlich in seine Arme. Emmanuel überragte sie um eine Kopflänge, er beugte sich zu ihr und küsste sie verlangend. Sie schob ihn ein Stück von sich. „Ich bin total verschwitzt.“
„Sollen wir gemeinsam duschen?“ Er griff nach ihrem Po, rieb seinen Unterleib an ihrem Becken.